Ausbildungsbedingungen und Berufschancen verbessern 17.09.22

Ausbildungsbedingungen und Berufschancen verbessern – Regionales Handwerk übergibt Klassensatz Taschenrechner
Shermeen Ali und Mohammad Ata Moustafa aus Syrien möchten Apothekerin und Kraftfahrzeugmechatroniker werden. Für den Mathematikunterricht erhielten sie und ihre Klassenkameraden von Kreishandwerksmeister Thomas Jüttner am gestrigen Mittwoch im Jenaer Haus des Handwerks in der Grietgasse nun einen dringend benötigten Taschenrechner. Genaue Berufspläne haben auch ihre Klassenkameraden, die von Friseurin, Maler und Metall- oder Holzbauer bis Erzieher und Kranken- oder Altenpfleger reichen. Und sie wissen, für diese Ausbildungsberufe in Handwerk und Industrie sind umfassende Deutschkenntnisse und auch der spätere Hauptschulabschluss unabdingbare Voraussetzungen. Gemeinsam mit 43 weiteren ausländischen Jugendlichen, meist zwischen 16 und 18 Jahren aus Äthiopien, Afghanistan, Irak und Iran, erhalten sie im Berufsvorbereitenden Jahr Sprache (BVJS) am Staatlichen Berufsbildenden Schulzentrum Jena-Göschwitz (SBSZ) in insgesamt 32 Wochenstunden Unterricht in Deutsch als Zweitsprache, Mathematik, Wirtschafts- und Sozialkunde, Sport und handwerklicher Praxis.

„Regelmäßig stellen wir Schülern das Handwerk mit seinen vielfältigen Berufswegen und Entwicklungsmöglichkeiten vor. Spontan haben wir uns nach einer dieser Präsentationen entschieden, den Unterricht und die Ausbildungschancen für diejenigen Jugendlichen in Göschwitz zu verbessern, für die selbst ein Taschenrechner ein zurzeit unerschwingliches Lernwerkzeug darstellt. Ihre Begeisterung für das Lernen haben wiederum uns begeistert“, erinnert sich Jüttner.

 

Für Andrea Uhlmann, Abteilungsleiterin Bauberufe, Chemie und Berufsvorbereitung am SBSZ, kommt diese „Geste mit großer Wirkung“ an. Auch die Veranstaltungen des regionalen Handwerks zur Berufsorientierung, wie beispielsweise den alljährlichen Tag der Raumgestaltung in der Jenaer Brillux-Niederlassung, nutzt sie umfassend, um nach ihren eigenen Worten den Kontakt zwischen Jugendlichen und ihren möglichen Arbeitgebern so früh wie möglich herzustellen und zu vertiefen. Ihre Schützlinge bräuchten genau diese Erfahrungen mit der Praxis. So wüssten sie, wofür sie pünktlich in die Schule kommen, um intensiv Sprache und Schulwissen zu erlernen. Unverständlich bleibe ihr daher jedoch, dass für diesen BVJS-Jahrgang seitens des Schulamtes „keiner, der angeblich ausreichend vorhandenen“ Sprachlehrer Deutsch nach Göschwitz verpflichtet wurde. Zwar konnte dies bis jetzt beispielsweise mit einem Intensiv-Theaterprojekt mit der Jenaer Freien Bühne und auch Provisorien ausgeglichen werden, doch auf Dauer würde der drohende Unterrichtsausfall die Integrationschancen ihrer Jugendlichen maßgeblich schmälern.

Kopfrechnen bleibt wichtig. Dafür steht symbolisch der Rechenschieber. Auch wenn dieser nun vom Taschenrechner ersetzt worden ist. Shermeen Ali und Mohammad Ata Moustafa (vorn) waren die Ersten ihrer Klasse, die ihn von Thomas Jüttner (li.) und im Beisein von Andrea Uhlmann (2. v. li.) erhielten.
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